Von der Tyrannei der Massen oder welches Schweinderl hättens gern?
Zunächst mal erneut Gratulation der Piratenpartei zum Erfolg im Saarland! Und auch der FDP zur weiteren erfolgreichen Selbstdemontage, wozu sicherlich auch Zitate, wie das im Titel erwähnte, ihren wertvollen Beitrag leisten.
Aber die Piraten haben offenbar noch viel Arbeit zu leisten, solange man Fragen darüber beantworten muss, ob ein Mehr an Bürgerbeteiligung (diese Tyrannen) nicht in erster Linie dem Populismus Vorschub leistet (siehe Interview in Tagesthemen am Montag).
Offensichtlich sind wir zwar technisch, aber längst noch nicht geistig im Kommunikationszeitalter angekommen. In diesem Zeitalter nämlich bedeutet Beteiligung weit mehr als Kreuzchen setzen.
Das fängt mal damit an Entscheidungsfindungsprozesse transparent zu machen. Wenn denn schon das System vorsieht, dass eine elitäre Politiker-Kaste Entscheidungen für das Volk fällt, dann sollte nicht nur die fertige Entscheidung als Friss-oder-stirb-Alternative vorgelegt werden, sondern der komplette Weg von der Idee über den Diskurs bis zur Ausarbeitung mitverfolgbar dargelegt werden. Die technischen Möglichkeiten dafür sind vorhanden.
Damit lässt sich zum einen der Versuchung vorbeugen, Entscheidungen mit den einen Argumenten zu verkaufen, während man in Wahrheit ganz andere Ziele verfolgt, da sich diese eigenen Ziele nun viel schwieriger verstecken lassen. Zum anderen würde es auch das allgegenwärtige Misstrauen mindern, dass Politiker regelmäßig eben genau das tun, was Mitursache des vielbeklagten Politikverdrusses ist.
Aber es geht in Wahrheit natürlich viel weiter. Man kann nun Bürger viel direkter in den gesamten Prozess miteinbinden. Früher gab es technisch gesehen nur die Möglichkeit eines breiten Kommunikationskanals von wenigen zu vielen über Wahlkampfveranstaltungen, Radio und Fernsehen. Der Rückkanal von den Vielen zu den Wenigen war sehr aufwendig und teuer und daher sehr schmal in Form von Kreuzchen alle paar Jahre. Seit Web2.0 haben wir ein Universum neuer Möglichkeiten, die ausgelotet werden müssen. Wir müssen nicht beim Kreuzchen stehen bleiben und genau damit dem Populismus Tür und Tor öffnen. Wir können komplexe Fragen auch komplex diskutieren.
Und damit komme ich zum letzten Punkt, den es dazu zu sagen gibt: wer blöde Fragen stellt wird blöde Antworten erhalten:
Wollen Sie dem faulen und korrupten Pack von Griechen, die an allem selbst Schuld sind, weiter Ihr sauer verdientes Geld in den Hintern schieben?
[ ] Ja
[ ] Nein