Die Kommunisten kommen (mal wieder)

Nun ist es raus, was alle schon gewusst haben: die Gesine - und mit ihr diese ganze Linke/PDS/SED - ist eine Kommunistin. All die Worthülsen und Textbausteine zu dem Thema, die man sich ein wenig verkniffen hatte, seit die Linke offiziell im Bundestag angekommen ist, können jetzt wieder hervorgeholt werden.

Immerhin gibt die Gesine zu was sie denn umtreibt: Fischen im (ganz) linken Lager. Da ist man bei den Fischern am rechten Ufer meist nicht so freimütig.

Ich habe ihren Artikel genausowenig gelesen, wie vermutlich die meisten ihrer lautstarken Kritiker und ich habe im Grunde genommen keinerlei Ambitionen, sie in Schutz zu nehmen, aber ich mag Denk- und Redeverbote nunmal nicht.

Der Artikel hatte den Titel “Wege zum Kommunismus”.

Marx definiert den Kommunismus als klassenlose Gesellschaft. In der utopischen Endform sollte sich der Staat selbst abschaffen, einfach weil ihn keiner mehr braucht.

In erster Linie ist Kommunismus damit aber ein gesellschaftliches System. Unabhängig davon, ob Kommunismus erstrebenswert ist oder überhaupt funktionieren kann, wäre es nicht einfach möglich sich unbefangen über gesellschaftliche Systeme zu unterhalten, ohne sich des Verdachts aussetzen zu müssen, das politische System abschaffen zu wollen? Widerspricht Kommunismus, als Gesellschaftsform interpretiert, der (dieser Tage) vielzitierten “freiheitlichen, demokratischen Ordnung”?

Marx beschreibt auch den Weg in den Kommunismus. Der führt bei ihm über den Klassenkampf und eine vorübergehende Diktatur (des Proletariats). Dieser Weg wurde ausprobiert und er hat nicht wirklich funktioniert. Die Millionen von Toten, die man unweigerlich im Zusammenhang mit dem bösen K-Wort erwähnen muss, sind Opfer des politischen Systems “Diktatur” und nicht des (gar nicht realisierten) gesellschaftlichen Systems “Kommunismus”.

Der Artikel hatte den Titel “Wege zum Kommunismus”.

Das sieht für mich so aus, als wäre selbst Frau Lötzsch bewusst, dass der von Marx beschriebene und bereits versuchte Weg nicht so günstig ist und dass es daher notwendig ist, andere Wege zu suchen, so man denn beim Kommunismus ankommen will.

Ich will nicht unbedingt, halte es aber auch nicht prinzipiell für böse (höchstens naiv) das zu wollen.

Die unscharfe Bedeutung von Ausdrücken führt unweigerlich in rhetorische Fallen, was dann wieder gerne in Form von Angriffen mittels rhetorischer Taschenspielertricks oder plumper Umdeutung des eigentlich gemeinten von der Gegenseite ausgenutzt wird (Lieblingsbeschäftigung von Politikern).

Leider wird bei der Bezeichnung verschiedener Systeme keine klare Trennung vollzogen zwischen gesellschaftlichem, politischem und wirtschaftlichem System.

Natürlich gibt es Abhängigkeiten. Dennoch wäre diese Trennung dringend notwendig, um sich präzise ausdrücken zu können. Erst dann kann man sich ernsthaft Gedanken darüber machen, welche dieser drei Systeme, inwiefern kompatibel zueinander sind.

Demokratischer Kommunismus?